Heroin


Nichts für die Ewigkeit – Heroin Doku
Sie sind sehr verschieden. Eines aber haben sie gemeinsam: Sie sind absolut sehenswert. Bei der Duisburger Filmwoche laufen jährlich die besten deutschsprachigen Dokumentationen. Für eine kleine Reihe hat 3sat nun einige Filme ausgewählt – aus den vergangenen Jahren und auch aus dem Programm des aktuellen Festivals, das kommende Woche stattfindet (5. bis 11. November). Die 3sat-Reihe startet am Sonntag, den 4. November. Mit unserem ersten Tipp greifen wir allerdings ein paar Tage vor. Der Film ist einfach zu gut.Liebesfilm. Anders kann man Britta Wandaogos “Nichts für die Ewigkeit” nicht nennen. Zwölf Jahre lang hat sie gedreht, wenn ihr Bruder Dirk auf Droge war, er runterkam – und wieder von vorn anfing. Nur scheinbar ein stetes Auf und Ab, denn eigentlich ist klar: Es geht immer weiter bergab mit Dirk. Doch Wandaogos Collage aus ersten, zögerlichen Kameratests, die die angehende Regisseurin Anfang der Neunziger unternimmt, bis hin zu ihren fordernden Profi-Aufnahmen, die 2005, im letzten Lebensjahr des Bruders, entstehen, erzählt nicht die Geschichte eines Abstiegs. Vielmehr überträgt sich die Nähe und Energie zwischen den Geschwistern auf den Zuschauer und sorgt für einen unwiderstehlichen Sog in das Leben der zwei. Man ist für kurze Zeit an ihrer Seite. Bei Britta, wie sie heiratet und ein Kind kriegt. Und bei Dirk, wie er seine Lebensgier mit allen Mitteln zu stillen versucht und keines findet, das ihm Ruhe verschafft.
Zum Schluss schreitet man mit Wandaogos Kamera durch Dirks verlassene Wohnung, durch eine Tür, hinter der sich ein blutverschmiertes Badezimmer auftut – und man spürt einen unmittelbaren Verlust. Und doch hinterlässt der Film eine offene, auf ihre Art tröstliche Frage: Ist ein Leben wirklich vergeudet, wenn man es so intensiv lebt, wie es Dirk getan hat?